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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

Die totale Sonnenfinsternis 2026 in Spanien

Bericht & Fotos: Dr. Andreas Hänel

 

Einige Mitglieder der Astro-AG wollten zusammen mit zwei Bonner Sternfreunden die seit 1999 erste totale Sonnenfinsternis in Nordspanien erleben, zumal die langfristigen Prognosen für einen klaren Himmel recht günstig waren. Als Unterkunft hatten wir ein Ferienhaus in den Bergen östlich von Burgos gewählt, in der Hoffnung, dass es in den höheren Lagen tagsüber nicht ganz so heiß werden würde wie in der zentralspanischen Ebene, die ja auch fast 1000 m hoch ist. Da sich an den Bergen im Laufe des Nachmittags allerdings oft Wolken bilden, gingen wir davon aus, dass die Beobachtung in der Ebene sicherere Bedingungen für klaren Himmel bietet. Daher wählten wir nach vorherigen Erkundungen (ich war ja bereits im Vorjahr in der Region gewesen) einen erhöhten Platz beim verschlafenen Ort Villamayor de los Montes, der vor allem wegen seines Klosters bekannt ist.

Als Unsicherheit blieb, ob man ihn überhaupt würde anfahren können, da er nur über Feldwege erreichbar war, und die Autonome Regierung von Castilla y Leon ein Befahren von Feldwegen aus Brandschutzgründen verboten hatte. Doch Nachfragen bei Bürgern und der lokalen Verwaltung ergaben, dass keiner davon wusste und tatsächlich störte sich offenbar niemand daran, dass wir dort standen. Im Gegenteil, es gesellte sich dann noch eine Gruppe Amateurastronomen aus Bordeaux dazu, die im Laufe des Tages mit etwa 20 Autos anreisten. Später kamen auch noch Spanier dazu. Den ganzen Tag sicherten wir unseren Platz mit freier Nordwestsicht und bauten die Geräte auf. Der Himmel blieb wolkenlos und die Sonne prasselte herab, so dass Temperaturen von über 35° erreicht wurden.

 

Etwa eine Stunde vor Beginn der Finsternis waren die meisten Geräte aufgebaut.

 

Als die partielle Phase um 19:34 Uhr startete, stieg die Spannung und erste Fotos wurden von der „angeknabberten“ Sonne gemacht. Mit Beginn der Totalität gab es zunächst erstaunte Aufschreie der Beobachter auf dem Feld, dann fiel sofort eine sehr helle, rot strahlende Protuberanz auf. Ansonsten erschien die Finsternis angenehm gelblich, verursacht durch die geringe Höhe sowie Staub und Dunst in der Atmosphäre. Aber viel zu schnell waren die 105 Sekunden der Totalität vorüber und die helle Photosphäre machte es wieder taghell. Je näher dann die Sonne zum Horizont wanderte, konnten wegen der höheren Absorption auch die Schutzfilter abgenommen werden und schließlich ging die noch teilverfinsterte Sonne hinter Windkraftanlagen unter – ein spektakulärer Anblick.

 

Die helle Protuberanz und die innere Korona kurz nach dem 2. Kontakt.

 

Eine ½ Sekunde belichtete Aufnahme gegen Mitte der Finsternis zeigt die Korona ausgedehnter.

 

Unterschiedlich lang belichtete Aufnahmen wurden überlagert und durch ein spezielles mathematisches Filter die feinen Strukturen in der Korona sichtbar gemacht – so etwa bot sie sich bei der Beobachtung mit dem Auge dar!

 

Die noch teilweise verfinsterte Sonne ging hinter Windkraftanlagen unter.

 

Entgegen vielen Befürchtungen gestalteten sich dann unsere Rückfahrten problemlos. Wir hatten keinen Stau.

Eine Kamera Ricoh Theta für 360°-Aufnahmen, die bei den letzten totalen Sonnenfinsternissen 2017 und 2024 eingesetzt wurde, fiel kurz vor der Totalität aus, vermutlich durch die Hitze. Neben Fotos wurden Messungen der Zenithelligkeit, der horizontalen Beleuchtungsstärke, von Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemacht. Die Messungen unterschieden sich von früheren, da sie kurz vor Sonnenuntergang stattfanden: Beleuchtungsstärke und Zenithelligkeit stiegen nicht wieder stark an und gingen in die Dämmerung über, und auch die Temperatur erreichte nicht mehr die hohen Tageswerte.

Es war wieder ein tolles Erlebnis und nun warten wir auf die längste Sonnenfinsternis des Jahrhunderts am 2. August 2027 ...




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