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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

11. Hunsrücker Teleskoptreffen (HuTT) in Perscheid

(Bericht von Dr. Burkhard Lührmann, September 2018)

Nachdem mir in der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft des NVO (Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück) Heinz schon vom alljährlichen Hunsrücker Teleskoptreffen berichtet hatte, war ich neugierig geworden, was dort in der Astro-Szene so vor sich geht. Da das WHAT (Westhavelländer AstroTreff) erst in der darauf folgenden Woche stattfinden sollte, meldete ich mich kurzentschlossen an. Außerdem brannte ich darauf, meine neue CCD-Kamera Moravian G3-16200 auszutesten, die bisher noch kein „first light“ hatte. Das wäre eine gute Vorbereitung für das WHAT.

Am Donnerstagvormittag des 6.09.2018 starte ich bei leichtem Nieselregen. Als ich spätnachmittags den ruhigen Ort Perscheid, etwa 30 Kilometer südlich von Koblenz in schöner Hügellandschaft gelegen, durchquere und den im nahen Wald versteckten Sportplatz finde, werde ich gleich sehr herzlich von Nils, dem Organisator des Treffens, begrüßt. Schnell sind die Autobahnvollsperrung und zwei Stunden Stau vergessen. Aufgrund des Wetters zähle ich erst etwa zehn Nachtquartiere entlang zweier Platzränder. Wie Nils mir sagt, solle der mittlere Sportplatzbereich vor Reifenspuren geschützt werden und den Zelten sowie astronomischen Aufbauten vorbehalten bleiben.


So schlage ich mein Zeltlager am hinteren Platzende auf, wo ich von meinem Astro-Nachbar Günter nicht nur sofortige Aufbauhilfe, sondern auch Stromanschluss erhalte. Die elektrische Versorgung erfolgt von Camper zu Camper jeweils entlang der Platzränder. Es sei erwähnt, dass es zu keiner Zeit zu Ausfallserscheinungen gekommen ist, elektrischen meine ich.

Da das Wetter für die kommende Nacht keine großen astronomischen Hoffnungen aufkommen lässt, wird die örtliche Infrastruktur näher untersucht.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Das direkt am Platz gelegene Sportlokal bietet fließendes Trinkwasser, Toiletten und sogar Duschen an. Darüber hinaus ist auch eine Küche mit Kühl- und Abwaschmöglichkeiten vorhanden. Ein größerer Raum mit Tisch- und Sitzmöbeln eignet sich für Essen und Vorträge. Der besondere Clou stellt aber eine vor dem Haus befindliche überdachte große runde Grillanlage dar, die jeden Abend vor Anbruch der Dunkelheit von Nils und seinen Helfern angefeuert wird und jedem Gast für sein eigenes Grillgut frei zur Verfügung steht. Hier trifft und lernt man sich am ersten Abend kennen.

Am nächsten Morgen (Freitag) ist das Wetter heiter. Alle haben sich am Frühstück gestärkt und fangen an, ihre astronomischen Ausrüstungen aufzubauen.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Da die Wetterprognosen für nächste Nacht auch immer wieder Wolkenfelder voraussagen, entschließe ich mich, meine neue CCD-Kamera noch nicht zu montieren und stattdessen alles Notwendige für die visuelle Beobachtung vorzubereiten. Gegen Mittag steht alles.

Am späten Nachmittag treffen Melanie und Heinz ein.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Heinz möchte mir stolz sein „Wurfzelt“ demonstrieren und wirft es lässig hin. Aber mit der theatralischen Entfaltung funktioniert es irgendwie nicht richtig. Leicht verärgert diagnostiziert Heinz einen gebrochenen Fiberglasstab. Nun ist das Zelt noch etwas kleiner als ohnehin schon. Mit dem Fuß wird es verächtlich zur Seite geschoben. Es erweist sich aber als ein treues Zelt. Während wir uns unterhalten und Melanie auspackt und aufbaut, läuft es trotz der Fußtritte immer wieder Richtung Heinz und bleibt zu seinen Füßen liegen. Naja, vielleicht ist es auch der Wind…

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Gemeinsam ist auch Melanies neuer Shelter schnell aufgebaut, der uns gemütlichen Schutz bietet.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Die Nacht wird klar und transparent. Ich messe meine Montierung mit Messokular und mehrfachem Star-Alignment ein. Etwas ärgere ich mich darüber, das Kamerasystem nicht installiert zu haben. Melanie, Heinz und ich führen zahlreiche visuelle Beobachtungen durch. Das Fachwissen von Heinz ist dabei sehr praktisch, man muss in keine Bücher schauen.

Heinz hat seinen berühmt-berüchtigten Okularkoffer dabei. So finden Okularvergleiche zwischen Televue Delos und Baader Hyperion statt. Wir stellen fest, dass die Abbildungsleistungen in dieser Nacht ähnlich sind, wobei die Delos-Okulare das etwas größere Sichtfeld bieten.
Laut Heinz ist es die astronomisch beste Nacht, die er bisher auf einem HuTT erlebt hat.

Am nächsten Morgen (Samstag) lacht die Sonne. Zum Frühstück werden von Heinz auf dem Camping-Brenner Eier gekocht und Toasts geröstet.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Jeder weiß natürlich, dass man diese Zubereitungsweise nicht unter einem Shelter durchführen darf. Nachdem Heinz dafür eine nachdrückliche Zurechtweisung von Melanie erhalten hat, beginne ich, für die kommende Nacht CCD-Kamera und Rechner anzuschließen. Vielleicht wird es ja dieses Mal etwas mit dem „first light“.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Die Simulation für die Pointing-Modellerstellung läuft problemlos. Alle drei Rechner kommunizieren ordnungsgemäß.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Während ich mich morgens unter der Dusche erfrischte, fahren Melanie und Heinz zum Wasserrutschen in ein nahe gelegenes Schwimmbad. Anschließend verwandelt sich unser kleines Zeltdorf in eine Trocknungsanstalt. Immer wieder bleibe ich beim Gang in den Shelter in der nassen Badehose von Heinz hängen.


Zwischendurch sieht Nils öfters mal nach dem Rechten und bietet jedem Gast an, etwas für ihn mit einzukaufen. So besorgt er für mich frisches Grillgut und andere Nahrungsmittel. Was für ein Service!

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Die letzte Nacht dieses HuTTs bricht an und damit für mich die letzte Möglichkeit, die Kamera zu testen. Wird das Wetter mitmachen? Es sieht zunächst ganz gut aus. Allerdings ist die Transparenz durch erhöhte Luftfeuchtigkeit nicht so gut wie in der letzten Nacht.
Ich steuere für einen Probeschuss ohne weitere Ausrichtung NGC 6960 an. Einfach mal 180 Sekunden Luminanz auf Cirrus:

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Der CCD-Sensor ist noch ungekühlt bei +14°C. Es ist tatsächlich etwas zu erkennen. Ich schmeiße jetzt zum ersten Mal die Peltier-Elemente an und stelle -20°C ein. Ungeduldig mache ich vor Erreichen der Zieltemperatur bei etwa 0°C zwei weitere Luminanz-Bilder von NGC 7380 (Wizzard Nebula im Cepheus), einmal 180 und einmal 300 Sekunden, um ein Gefühl für die Belichtung zu bekommen. Hier die Integration und das Streckungsergebnis:

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Am Horizont sind mittlerweile Wolkenbänke zu erkennen, die auf uns zuziehen. Ich möchte unbedingt noch mit wenigstens einem vollständigen LRGB-Belichtungssatz nach Hause kommen. Viele Möglichkeiten ergeben sich leider nicht mehr. Mittlerweile ist Mitternacht überschritten und M31 (Andromeda-Nebel) ist gut erreichbar. Dieses dankbare Objekt muss jetzt als ultimativer Test herhalten. Um noch einen Reducer einzufügen, bleibt leider keine Zeit mehr. Die 1000 Millimeter Brennweite müssen bleiben. Bei -20°C werden LRGB jeweils einmal 180 Sekunden belichtet. Es entsteht dieses Einzelbildergebnis:

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Die technischen Daten hierzu:
Montierung 10-micron GM 2000 QCI ohne Autoguiding, Takahashi TOA-130, Brennweite 1000mm, Moravian G3-16200, LRGB jeweils 1x3min lights, keine darks, bias oder flats, Zusammenführung in PixInsight.

Eine Ausschnittsvergrößerung der rechten oberen Ecke zeigt keine nennenswerten Nachführungs- oder Objektivfehler:

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Der folgende Ausschnitt ist pixel-to-pixel skaliert und erstreckt sich vom Zentrum der Galaxie in die dunkle Außenzone. Das Luminanz- und Farbrauschen hält sich für 180 Sekunden Belichtungszeit in Grenzen.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Für den ersten Versuch bin ich sehr zufrieden. Ab 0:30 Uhr zieht der Himmel leider komplett zu.

Der Sonntagmorgen begann mit einem gemütlichen Frühstück unter heiterem Himmel und setzte sich mit einem gemeinsamen Abbau fort. Nach und nach verabschiedete man sich auf diesem sehr familiären Treffen.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Tschau, bis zum nächsten Mal:

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Wie hier bildlich dokumentiert, haben wir uns viel Zeit gelassen. Der Platz war bereits gegen 14:00 Uhr fast leer.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Und eine entspannte Kaffeezeit musste auch noch sein.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018

Damit ging das HuTT dann aber leider auch für uns zu Ende.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich um die gute Organisation dieses freundlichen und netten Astro-Treffens gekümmert haben, ganz besonders aber bei Nils, der bis zum Schluss viel Geduld mit uns gehabt hat.

11. HuTT, Aufnahme: Burkhard Lührmann, September 2018




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