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Stand: 25.05.2019 07:41
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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

8. WestHavelländer AstroTreff (WHAT) in Gülpe

(Bericht von Dr. Burkhard Lührmann, September 2018)

Gerade am Sonntagabend vom HuTT (Hunsrücker Teleskoptreffen) zurückgekehrt, sollte es für mich am Montag gleich wieder zum nächsten Astrotreffen weiter gehen, um so eventuellen Entzugserscheinungen vorzubeugen. Martin und ich hatten uns entschlossen, bereits vier Tage vor dem offiziellen Beginn des 8. WHAT, der vom 14.09. bis zum 16.09.2018 stattfand, nach Gülpe zu fahren. Damit könnten bis zu sechs Nächte astronomisch ausgenutzt werden.

Da der PKW noch gepackt ist, muss ich lediglich Kleidung und Nahrungsmittel austauschen bzw. ergänzen. Um 11:30 Uhr geht es los. Nach entspannter Fahrt erreiche ich Gülpe gegen 17:00 Uhr. Hier führen alle Wege (es sind nicht viele) zum Sportplatz.



Martin ist bereits seit 13:30 Uhr da, hat sein Zelt aber noch am Boden liegen. Gemeinsam ist es schnell aufgerichtet. Die Organisation des AstroTreffs hat den Platz akribisch genau in vier Meter breite Parzellen aufgeteilt, die gerade so jeweils für PKW, Zelt und Stativ ausreichen. Da wir vom NVO (Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück) noch weitere Teilnehmer erwarten und einen Pavillon aufbauen möchten, werden kurzerhand zwei weitere Parzellen gemietet, um genügend Park- und Aufstellfläche zu erhalten. Die Flächen dürfen nicht überschritten werden. Es soll eng werden.


Außer uns ist sonst nur noch Ralf mit seinem 14 Zoll-Schiefspiegler am Platz. Zu unserem gemeinsamen Abendbrot gesellt sich später noch Andre hinzu, der bei der Platzpräparation bereits tatkräftig mitgeholfen hat. Da der Himmel weiterhin stark bewölkt bleibt, wird es eine längere gemütliche Gesprächsrunde, an der aufgrund der lauen Temperatur und Windstille auch eine niesende Katze und zahlreiche Mücken teilnehmen.



Nachdem in den frühen Morgenstunden ein leichter Regen durchgezogen ist, wird wie an jedem weiteren Morgen in der Pension&Atelier „Kreativoase“ gefrühstückt. Am großen runden Tisch trifft man Bekannte und es entstehen interessante Gespräche.
Vormittags trifft unser Zeltnachbar Jörg aus Brandenburg ein, ansonsten bleibt es an diesem Dienstag auf dem Sportplatz ruhig. Nach dem Aufbau unseres Pavillons erledigen Martin und ich Einkäufe in Rathenow. Dazu gehören auch Wasserkocher und Fußmatte. Wie sich später herausstellt, wurden sie aber nicht vergessen, sondern nur nicht gefunden; damit jetzt mehrfach redundant. Warum nur?



Ein Kombi ist eben zu klein!
Nachmittags stößt Thomas zu uns. Wenn er ursprünglich auch mit Anhänger und großer Ausrüstung kommen wollte, hat er doch seinen 16 Zoll-Dobson dabei, den er gleich aufbaut. Damit motiviert er mich, meine Ausrüstung trotz des bewölkten Wetters ebenfalls für die kommende Nacht in Stellung zu bringen. Danke!
Und die warme Nacht klart auf! Wir beobachten abwechselnd am grob eingenordeten Refraktor Takahashi TOA-130 und am Dobson. Wir erfreuen uns an M82 (Zigarren-Galaxie), NGC891 (Spiral-Galaxie von der Seite), M57 (Ring-Nebel), M13 (Herkuleshaufen), M31 (Andromeda-Galaxie), Mars mit nördlicher Polkappe, Saturn, H&Chi, NGC6888 (Crescent Nebel) und einigem mehr. Die große Öffnung des Dobsons lässt die Objekte deutlich heller erscheinen, wogegen sie mir im TOA etwas brillianter vorkommen.



Inzwischen wird auf dem Platz hektisch nach dem Kometen 21P/Giacobini-Zinner visuell gesucht, der gerade in irdischer Nähe ist. Das gestaltet sich schwierig, weil er am östlichen Horizont noch relativ niedrig zwischen den Bäumen stehen soll. Da es nicht gelingen will, messe ich meine Montierung genauer ein. Weil ich bereits daheim vorsorglich die aktuellen Bahndaten der wichtigsten Satelliten und Kometen in den Montierungsrechner eingelesen habe, ist die Entdeckung und Verfolgung kein Problem mehr. Ich schließe einen Reducer für 700mm Brennweite und die DSLR EOS-7D an. Mit 30s Belichtungszeit und ISO-400 entsteht um 1:20 Uhr (12.09.2018) dieses Bild:


Die astrometrische Vermessung des gezeigten Ausschnitts geschieht mit PixInsight.

Am Mittwochmorgen gegen 7:00 Uhr liegt unser kleines Zeltdorf in den ersten Sonnenstrahlen.



Nach dem Besuch des Schwimmbades und einigen Einkäufen in Rathenow trifft nachmittags Jörg ein.



Wir werden schon eine etwas größere trotz des bedeckten Himmels fröhliche Runde.



Das Vortragszelt wird aufgebaut und allmählich bevölkern auch noch andere Amateur-Astronomen den AstroTreff.


Unterdessen holt Martin Mareike vom Rathenower Bahnhof ab, die sich riesig über das alljährliche Wiedersehen auf dem WHAT freut. Schließlich hat Mareike ihre Montierung, die Martin wieder mitgebracht hat, ein Jahr lang nicht gesehen.
Gegen Abend erreicht auch Andreas Gülpe. Nach einer kleinen gemeinsamen Odyssee durch die benachbarten Orte, in denen die Bürgersteige längst hochgeklappt und alle Lokale geschlossen sind, fahren wir schließlich nach Rathenow und schlemmen im griechischen Restaurant.
Zurück in Gülpe frage ich mich, was fängt man mit einer komplett bewölkten Nacht auf einem Teleskoptreffen an? Eine Woche zuvor hatte ich auf dem HuTT die ersten Belichtungsversuche mit meiner neuen CCD-Kamera gemacht, aber noch ohne Bias, Darks und Flats. Da ich die Moravian G3-16200 heute Nachmittag bereits montiert und betriebsbereit angeschlossen habe, nutze ich die Nacht zur Anfertigung von Bias und Darks, die ich zukünftig für Aufnahmen in sehr warmen Nächten bei -20°C Sensortemperatur verwenden kann. Für die Darks wähle ich eine Belichtungszeit von 3 Minuten. Für Lights, die später hiervon um einige Minuten abweichen sollten, wird in PixInsight eine automatische Skalierung durchgeführt. Um 2:00 Uhr ist dann Schluss. Auf dem Platz sind keine Aktivitäten mehr erkennbar.

Der Donnerstag ist weiterhin bedeckt. Ich habe mir vorgenommen, heute die landschaftliche Umgebung bis zur Havel zu erkunden. Begeistert schließen sich Mareike, Martin, Thomas und zwei weitere WHAT-Gäste an. Wir packen unsere Fotoausrüstungen zusammen.



Nach ein paar hundert Metern überqueren wir die Gülper Havel, ein kleiner Nebenarm. Trotz der monatelangen Trockenheit in Deutschland erscheint die Landschaft saftig grün.



Ja fröhlich ist so eine Wanderung …



… und sowohl botanisch als auch ornithologisch wertvoll, also ganz im Sinne des NVO.


Cirsium vulgare (Gewöhnliche Kratzdistel) und Milvus milvus (Rotmilan oder Gabelweihe).

Weitere Vogelbeobachtungen lassen mitunter den Schwarzmilan, Seeadler, Kormorane, Silberreiher, Graureiher, Kornweihe und Rohrweihe ins Sichtfeld kommen. Da ich leider mein Teleobjektiv nicht mitgenommen habe, fängt Martin mit seinen 600 Millimetern einiges ein.
Schließlich erreichen wir die Havel, …



… die auch in diesem Abschnitt gelegentlich von Schiffen befahren wird.


Als wir nachmittags wieder zum Sportplatz zurückkehren, ist auch Gerold eingetroffen und hat sein Hauszelt bereits fertig aufgebaut. Wenig später erreicht Günther mit seinem Wohnmobil den WHAT. Ich habe ihn letzte Woche zuvor auf dem HuTT kennengelernt. Zwischenzeitlich hatte er auf der Hohen Geba zufällig Andreas Sohn Thomas getroffen, der dieses Jahr leider nicht dabei ist. So klein ist die Astro-Welt! Abends kommt noch Ulli dazu.



Die Nacht ist leider bedeckt mit nur gelegentlichen Auflockerungen. So versuchen Jörg mit seiner neuen ASI1600 MM-Cool …



… und Ulli mit seinem Meade LXD75-ACF die verbleibenden Himmelsstückchen einzufangen.



Da habe ich eine Idee: Ich vervollständige meine Bias- und Dark-Bibliotheken für -20°C und erweitere sie für die Sensortemperatur -25°C. Tolle Sache! Dafür muss man nicht einmal die Objektivkappe abnehmen. Da diese Arbeit nach fünf Stunden dann aber doch nicht mehr so faszinierend ist, gehe ich gegen 2:00 Uhr zu Bett. Der Platz ist längst ruhig geworden.

Freitagmorgen gegen 7:00 Uhr. Der 8. WHAT hat offiziell begonnen. Der Frühnebel verzieht sich allmählich und lässt auf besseres Wetter hoffen. Es ist noch viel Platz.


Und tatsächlich: Es wird heiter. Da kann man mal einen Blick auf die Sonne riskieren.



Im Weißlicht sind keine Flecken zu erkennen, wogegen Jörg im H-alpha-Spektrum gut ausgebildete Protuberanzen sieht.
Über dem Sportplatz zieht ein Rotmilan seine Kreise. Andreas, Thomas und Günther unterhalten sich.



Alle sind guter Laune und hoffen, dass das Wetter anhält.



Im Laufe des Tages füllt sich der AstroTreff immer weiter und Gastronomie-Stände werden aufgebaut.


Abends trifft Heinz ein und baut sein Meade mit Hufeisenmontierung auf. Unser Bereich für die Teleskope wird immer enger.



Die vorletzte WHAT-Nacht bricht an und das typisch astronomische Rotlicht verbreitet sich.


Leider verbreiten sich auch wieder die Wolken. Versuche zur automatischen Fokussierung mittels V-Curves und Einmessungen durch Plate-Solving schlagen fehl, weil die Wolkenlücken zu klein und zeitlich zu kurz werden. Dadurch verliert die Montierung auch noch das bisherige Punkte-Modell. Was macht man da? Verzweifeln?



Nein! Man verschließt die Taukappe und vervollständigt die Dark-Bibliothek für -25°C und erweitert sie für die Sensortemperatur -30°C. Tolle Sache!
Gegen 1:00 Uhr ist Zapfenstreich und ich habe das Gefühl, diese Nacht sinnvoll genutzt zu haben.

Irgendwann gegen 5:00 Uhr samstagmorgens finden sich Carsten und Lukas ein, die in der Nacht durchgefahren sind. Damit sind wir Osnabrücker endlich komplett.



Das heitere Wetter verleitet mich dazu, anzunehmen, die nächste und letzte Nacht in Gülpe könne astrofotografisch erfolgreicher werden. So bereite ich mich auf eine neue genaue Einmessung der Montierung mithilfe eines 30 Punkte-Modells vor. Lukas erkläre ich die genaue Funktionsweise.



Da sehe ich eine Gestalt, die mithilfe eines weißen Handschuhs aus einem Beutel ein seltsames Objekt herausholt und plötzlich steht die Welt Kopf.



Ach, es ist Martin mit seiner Glaskugel:



Einen optischen Spezialeffekt möchte ich jetzt aber auch ausnutzen:


Hier sind zwei hintereinandergehängte Hyperlapse-Videos zu sehen. Während die Kamera zwischen zwei Aufnahmen weiterbewegt wird, richte ich die Bildmitte immer wieder möglichst exakt auf einen ausgesuchten Objektpunkt aus.

Nachmittags finden im blauweißen Festzelt Vorträge über Lichtverschmutzung, Sternenparks und insbesondere über den Natur- und Sternenpark Westhavelland statt. Ferner sind öffentliche Beobachtungen und Nachtwanderungen organisiert.



Das WHAT hat nun im Licht seines letzten Sonnenuntergangs in der Anzahl aufgebauter Teleskope den Höhepunkt erreicht.


Die Zahl der Besucher, die uns Beobachter beobachten, nimmt ebenso zu. Heute ist der offizielle Zuschauertag. Sie sind herzlich eingeladen.


Ach nein, es ziehen wieder dunkle Wolkenbänke auf!



Andreas fängt das Drama etwas später mit dem Fischaugenobjektiv auf ästhetische Weise ein.



Ich vervollständige die Dark-Bibliothek für -30°C. Tolle Sache! Nun fehlen bei dieser Sensortemperatur nur noch 50 Aufnahmen für die Bias-Bibliothek. Aber was ist das? Der Sternenhimmel wird frei und die Milchstraße ist deutlich zu sehen.



Alle machen sich emsig an ihren Kameras und Montierungen zu schaffen. Es summt und brummt.

Im Vergleich zu den vergangenen drei Nächten zeigt das Fischauge die relativ guten Bedingungen.



Geeichte Kameramessungen zeigen, dass neben der Milchstraße Helligkeitswerte von bis zu 21,4 Magnituden pro Quadratbogensekunde erreicht werden. Eine gewisse Luftfeuchtigkeit begrenzt den Wert leider.



Die Farbtemperatur liegt in diesen Bereichen zwischen 3700 und 3900 Kelvin.

Gerold richtet seine Kamera (EOS-6D) stationär gen Norden aus und macht Timelapse-Aufnahmen, die er später zu einem Startrail-Bild zusammenrechnet.



Jörg hat sein Teleskop auf IC 1805, den Herznebel ausgerichtet.


Aufnahmedaten: APM 107/700 mit 0,75 Riccardi-Reducer, ASI1600 MM-Cool (-20°C), Baader-Filter 36mm, L 9x90s, R, G, B je 7x90s (45min gesamt), Darks und Flats, PixInsight, Photoshop.

Ich selbst kann Fokussierung und Alignments erfolgreich abschließen und steuere IC 1396, den Elefantenrüsselnebel an.


Aufnahmedaten: TOA-130/1000mm mit FL-67, G3-16200 (-30°C), Astrodon-Filter 50mm, L, R, G, B je 4x180s (48min gesamt), Bias, Darks und Flats, PixInsight.

Dieses Motiv ist auch häufig mit etwas stärkerer Rot-Komponente zu sehen:



In der folgenden Vergrößerung überstreicht die Bildhöhe etwa 75 Bogenminuten.



Gegen 1:00 Uhr gewinnen aber leider wieder die Wolken, sodass die letzten Luminanzbilder nicht mehr verwendbar sind. Bis 3:00 Uhr nutze ich noch die Zeit für Flats und vervollständige meine Bias-Bibliothek für -30°C. Tolle Sache!

Der Sonntag zeigte sich dann von seiner besten Seite, sodass Aufbauten und Zelte nach einem ausgedehnten Frühstück entspannt abgebaut und verstaut werden konnten. Damit ging das WHAT leider schon wieder zu Ende, wenn es für mich auch sieben Tage gewesen sind.



Ich möchte mich bei allen bedanken, die für eine gute Organisation des AstroTreffs gesorgt haben und für einige hier verwendete Bilder von Martin, Andreas, Gerold und Jörg.




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