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------------ Astronomie in Zeiten des Coronavirus ------------

Der goldene Henkel erscheint

Bericht von Dr. Thomas Kunzemann, 26.3.2021
 
Am 23. März riss gegen 21h30 Uhr die Bewölkung überraschend auf und der zu 72% beleuchtete Mond zeigte sich. Da vom hellen Mondlicht alle anderen Himmelsobjekte überstrahlt wurden, entschloss ich mich, mit meiner neuen Planetenkamera QHY5III462 ein Mosaikbild des Mondes aufzunehmen. Das Bild besteht aus 10 Einzelaufnahmen, die als Video am NA140 Refraktor mit 800 mm Brennweite gemacht wurden. In Registax habe ich die Videos zu Bildern gestackt, mit Image Composit Editor zusammengefügt, anschließend in Registax geschärft und mit Fitswork und Photoshop nachbearbeitet.



Während der Arbeit am Teleskop fiel mir auf, dass die aufgehende Sonne schon die Spitzen der höchsten Gipfel des Juragebirges (Montes Jura) am Westrand der Regenbogenbucht (Sinus Iridum) beleuchtete. Da es erst 22h00 Uhr war, beschloss ich mir das Schauspiel näher anzusehen.

Auf dem Panoramabild befindet sich der Terminator, also die Licht-Schatten Grenze, auf einer selenografischen Länge von 30° West, und das Mondalter beträgt 11,3 Tage. Durch die Rotation des Mondes in Bezug auf die Sonne wandert der Terminator pro Stunde etwa 0,5° weiter nach Westen. Dadurch wird immer mehr des Juragebirges beleuchtet, bis es sich komplett als leuchtender Ringsektor zeigt, der den Sinus Iridum zu etwa 2/3 umschließt. Um diesen Vorgang zu dokumentieren, habe ich im Abstand von circa 30 Minuten weitere Bilder aufgenommen.


Darauf lässt sich verfolgen, wie dieses Randgebirge immer prominenter aus dem Schatten hervortritt und seine einzelnen Gipfel zum „Goldenen Henkel“ verschmelzen. Der Terminator ist während der Beobachtungszeit vom Mondkrater C. Herschel im Meeresrücken (Dorsum) Heim bis zum Kap Heraclides vorgerückt. Gegen 01h00 Uhr am 24.03. musste ich die Beobachtung beenden, da Wolken aufzogen. Auf dem folgenden Bild sind die erwähnten Mondformationen bezeichnet.


Das letzte Foto, wieder ein Mosaikbild, das ich am 23.Februar bei einem Mondalter von 12 Tagen angefertigt habe, ist der Sinus Iridum bereits voll beleuchtet und die Montes Jura umschließen die Regenbogenbucht in ihrer vollen Länge über 460 km vom Kap Laplace im Nordosten bis zum Kap Heraclides im Südwesten. Jetzt ist auch zu erkennen, dass der Sinus Iridum eine mit 260 km Durchmesser, recht große Nebenbucht des Mare Imbrium ist. Beide sind mit Magma ausgefüllt und nur durch einen Ausläufer der Dorsum Hein getrennt. Die Bilder sind so angeordnet, wie man den Mond im Fernglas sieht, das heißt Norden ist oben und der Mondosten rechts.



Der Goldene Henkel ist prinzipiell bei jeder Lunation zu sehen, allerdings nur für wenige Stunden und dann muss der Mond natürlich auch über dem Horizont stehen und das Wetter muss mitspielen. Deshalb kann man den Goldenen Henkel doch nicht so oft beobachten.




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