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------------ Astronomie in Zeiten des Coronavirus ------------

Ein Wal, ein Brecheisen und zwei Mäuse (C 32, NGC 4656, NGC 4676)

Bericht von Thomas Hänel, 19.5.2020



Als es langsam auf den Frühling zuging und das Wetter besser wurde, war es Zeit, Motive zum Fotografieren auszuwählen. Der Frühling ist unter den Astronomen bekannt als die Galaxien-Saison, da es in den Frühlingssternbildern Löwe, Haar der Berenike, Jagdhunde und vor allem der Jungfrau von Galaxien nur so wimmelt. Im letzten Jahr hat mich vor allem die sogenannte Whirlpoolgalaxie M51 begeistert, eine Galaxie, die mit ihrem kleineren Nachbarn wechselwirkt und dabei auch noch einen schönen Farbkontrast mit diesem Begleiter bildet (siehe z.B.: [1]). In diesem Jahr wollte ich deshalb auch wieder ein wechselwirkendes Galaxienpaar aufnehmen. Wikipedia diente als erste Anlaufstelle, da gibt es tatsächlich eine Seite mit diversen Beispielen [2]. Damit stellte sich aber leider auch direkt Ernüchterung ein, die meisten der Galaxien stehen sehr weit im Süden und/oder sind extrem klein. Ein Vertreter erregte dann aber doch meine Aufmerksamkeit: die Mäuse (NGC 4676) - sie sind zwar klein, haben aber mit C32 und NGC 4656 einige interessante größere Galaxien in der Nachbarschaft, die bei meinem 80mm Refraktor mit ins Bild passen würden. Das obige Bild entstand dann über insgesamt vier Nächte im März und April aus insgesamt 8h30min Belichtungszeit.

Bei den Galaxien lohnt sich jeweils ein vergrößerter Ausschnitt des Bildes, hier die Brecheisen-Galaxie NGC 4656 in Pixel-To-Pixel-Auflösung:



Die Ähnlichkeit zu einem Brecheisen erscheint wirklich recht deutlich. Andere sehen hier auch einen Hockeyschläger, der Name ist ähnlich verbreitet und passt sicherlich auch ungefähr genauso gut. Der namensgebende Haken links oben hat sogar eine eigene Nummer im New General Catalog: NGC 4657. Bereits in den 70ern wurden Hinweise darauf gefunden, dass die Brecheisen-Galaxie in der Vergangenheit der Wal-Galaxie sehr nahe kam und die Wechselwirkung zur einer Verformung der Galaxien führte [3].
Damit folgt dann auch direkt ein Pixel-to-Pixel-Ausschnitt der Wal-Galaxie (C32 bzw. NGC 4631) mit ihrer kleineren Begleitgalaxie NGC 4627.



Besonders gefällt mir hier der Farbkontrast mit dem gelblichen Kernbereich und den bläulichen Außenbereichen. Auch dieser Galaxie sieht man sofort eine leichte Verformung an: rechts wirkt sie etwas in die Länge gezogen. Die Anordnung mit der kleinen Begleitgalaxie erinnert ein bisschen an die Andromedagalaxie mit ihrem Begleiter M110 -  da aber ohne auffällige Verformung.
Die Wal-Analogie erscheint mir hier nicht ganz so offensichtlich wie Brecheisen bzw. Hockeyschläger bei NGC 4657. Mit etwas Fantasie lässt sich dann doch eine Analogie finden. Hier mit eingeschränkten künstlerischen Fertigkeiten ein Visualisierungsversuch:



Damit wendet sich der Blick zu dem versteckten Highlight des Bildes: den Mäusen (NGC 4676):



Der Ausschnitt ist wieder in Pixel-To-Pixel-Auflösung. Es zeigt sich, dass das Galaxienpärchen wirklich sehr klein ist. Während das Hubble Space Telescope noch sehr viel mehr Details zeigen konnte, lassen sich hier nur die hellen Kerne und die Schweife nach oben und, schwächer ausgeprägt, nach unten erkennen. Dies könnte auch ein interessantes Objekt für das große Cassegrain-Teleskop in der Sternwarte sein. Die Schweife geben aber dennoch einen guten Eindruck davon, wie Galaxien durch die Gravitation verformt werden, wenn sie einander begegnen. Etwas Ähnliches kommt auf unsere Galaxie zu, wenn Sie in ferner Zukunft der Andromedagalaxie begegnet. Bleibt noch die Frage nach dem Namen - die Schweife sollen wohl Erinnerungen an Mäuse erwecken.

Im restlichen Bild erkennt man noch viele scheinbar kleinere Galaxien, davon seien hier zwei der größeren exemplarisch gezeigt (PGC 42786 & UGC 7886):



Wer das Gesamtbild in voller Auflösung selbst erkunden oder noch weitere Aufnahmedetails erfahren will, kann auch einen Blick auf [4] werfen.

[1]https://www.astrobin.com/mlvc92
[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Wechselwirkende_Galaxien
[3]Combes, F. 1978: "A model of tidal interactions within the NGC 4631 group of galaxies", Astronomy and Astrophysics 65, pp. 47-55.
[4]https://www.astrobin.com/yj1tt5




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