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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

Die Metamorphose eines Filaments auf der Sonne

Bericht von Dr. Thomas Kunzemann, 26. Juni 2022

Zu den beeindruckendsten Phänomenen auf der Sonnenoberfläche gehören Filamente und Protuberanzen. Allerdings lassen sie sich nur im Licht des angeregten Wasserstoffs bei einer Wellenlänge von 656 Nanometern mit entsprechenden schmalbandigen Filtern beobachten. Filamente und Protuberanzen sind im Grunde nur zwei verschiedene Aspekte derselben Struktur, nämlich von gewaltigen Plasmaströmungen entlang magnetischer Feldlinien. Während Filamente sich vor der hellen Sonnenoberfläche befinden und deshalb dunkel erscheinen beobachtet man Protuberanzen am Sonnenrand vor dem dunklen Himmelshintergrund, wodurch sie als helle Bereiche mit einer ungeheuren Formenvielfalt imponieren. 

Nach unserer glücklichen Rückkehr aus Namibia war ein riesiges Filament im Nordwesten der Sonne sichtbar. Es fußte in der aktiven Region 3032, war S-förmig gebogen und erstreckte sich über etwa 380000 km. Während der nächsten Tage erwies sich dieses Filament als sehr stabil und veränderte seine Form kaum. Und es kam durch die Sonnenrotation dem Nordwestrand immer näher.

Am 22. Juni erreichte es den Rand. Die ersten Anteile ragten vom Sonnenrand weg und wurden als Protuberanz sichtbar. Am 23. Juni hatte die Hälfte des Filamentes den Sonnenrand passiert. Durch die S-Form war ein Teil vor und ein Teil neben der Sonne zu sehen. Am nächsten Tag, dem 24. Juni. war die Protuberanz zur vollen Größe aufgestiegen, wobei sie ein Tal in der Mitte aufwies. Dieses Tal ist das Ergebnis einer perspektivischen Verzerrung. Es kommt dadurch zustande, dass man seitlich auf eine S-förmige Struktur blickt, die sich auch noch auf einer kugelförmig gekrümmten Fläche befindet. Am 25. Juni war die Sonne so weit rotiert, dass nur noch zwei haufenförmige Anteile sichtbar waren.

Es ist schwierig, Protuberanzen und Filamente zusammen auf einem Foto abzubilden, da die lichtschwächeren Protuberanzen die drei- bis vierfache Belichtungszeit der Chromosphäre erfordern. Mit einiger digitaler Nachbearbeitung ist es zwar möglich, aber dem Bericht sind Fotos mit den entsprechenden Belichtungszeiten für Filamente (f) und für Protuberanzen (p) beigefügt. Weiterhin bekommt man auf den Mosaikbildern (m) der gesamten Sonne eine Vorstellung von der Größe dieses gigantischen Filaments.


(f) Sonne im H-Alpha, Animiertes GIF aus 7 Aufnahmen vom 19. bis 25.6.2022


(p) Sonne im H-Alpha, Animiertes GIF aus 5 Aufnahmen vom 20. bis 24.6.2022


(m) Sonne im H-Alpha, Animiertes GIF aus 6 Aufnahmen vom 19. bis 25.6.2022 (ohne 20.6.)

Verwandlungen von Filamenten in Protuberanzen lassen sich leichter verfolgen als umgekehrt, da man die Filamente bereits in den Tagen vorher auf ihrem Weg zum Westrand sieht, wohingegen Protuberanzen am Ostrand nur 1-2 Tage vor ihrer Metamorphose zu beobachten sind.

 




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