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Naturwissenschaftlicher Verein Osnabrück:

Heiße Tage und warme Nächte in Gülpe - Der 9. WestHavelländer AstroTreff

Bericht von Gerold Holtkamp mit Unterstützung von Burkhard Lührmann und Martin Steinbeißer
September 2019

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Sehr schöne mit Teleskopen erstellte Astrofotos gibt es am Ende dieses Berichts in einem gesonderten Abschnitt. -hier klicken-_____________________________________________________________________________________________________

Das WHAT fand auch in diesem Jahr wieder in Gülpe im Westhavelland statt. Zum neunten Mal trafen sich hier Astronomen aus dem gesamten Bundesgebiet, um den dunklen Himmel in dieser Gegend Deutschlands zu genießen. Offiziell lief das Treffen von Donnerstag dem 29. August bis zum Sonntag den 1. September. Wir aus Osnabrück waren aber schon ab Montag vor Ort, zumindest mit einer vierköpfigen „Vorhut“. Im Laufe der Woche kamen dann immer mehr von uns in Gülpe an, so dass wir am Wochenende die größte geschlossene Gruppe stellten. Die meisten von uns zelteten, um nah bei ihren Teleskopen und Fotoapparaten zu sein. So konnte man auch nachts lange beobachten und direkt danach ins „Feld“-Bett bzw. in den Schlafsack gehen.

Der Titel dieses Berichts sagt es schon: Der 9. WestHavelländer AstroTreff - kurz WHAT genannt - war in diesem Jahr tagsüber von der Sonne dominiert. Sie versteckte sich selten hinter Wolken und so stieg die Temperatur regelmäßig auf über 30 Grad Celsius. Das stellte dann auch sehr hohe Anforderungen an “Mensch und Material”, da die meisten von uns - wie schon gesagt - mit einem Zelt angereist waren. Alles brauchte tagsüber Schutz vor den Strahlen der Sonne - Astronomen, Verpflegung, Teleskope. Nachts war es dafür immer schön warm und, was noch wichtiger war, meistens auch klar oder zumindest teilweise klar. So konnten wir den sehr dunklen Himmel über Gülpe in vollen Zügen genießen. Hier nun in Bildern und Worten, was in der Woche von Montag, 26. August bis Sonntag, 1. September geschah.

Montag 26. August 2019
Nach vierstündiger Autofahrt kommt unsere Vorhut, bestehend aus Martin, Burkhard, Reinhard (und sein Hund Schröder (der heißt wirklich so)) und Gerold am Nachmittag auf dem alten Sportplatz in Gülpe. Bei 33° C im Schatten werden die Zelte (ohne Schatten!) aufgebaut (Motto: Getrennt fahren, vereint aufbauen). Das ist schon die erste Herausforderung. Alle bekommen einen roten Kopf. Aber nach erledigter Arbeit kann man sich ja erst einmal ausruhen.

Die "Vorhut" ist angekommen auf dem noch leeren Sportplatz

WHAT 2019, Aufnahme: Burkhard LührmannGeschafft! Die Zelte stehen, die Hitze des Tages weicht.

Nachts werden wir mit milden Temperaturen und zumindest einigen Wolkenlücken, die den sehr schönen Himmel über Gülpe freigeben, belohnt. Am Horizont begleitet uns in dieser Nacht ein beständiges Wetterleuchten, ohne dass ein Gewitter bis zu uns herüber zieht. Gegen 1 Uhr Uhr ist dann in unserer kleinen Zeltstadt Nachtruhe.  

Dienstag, 27. August 2019
Ab 7 Uhr entfaltet die Sonne ihre ganze Pracht - und Kraft. Sie treibt uns zwangsläufig aus den Zelten heraus. Das ist aber kein Problem, denn auf uns wartet ein gutes Frühstück in der sog. Kreativoase in fußläufiger Entfernung. So gestärkt erwarten wir dann mutig die heiße Sonne, die sich auch nicht lumpen lässt. Wasser wird zum begehrtesten Element in diesen Tagen.

WHAT 2019, Aufnahme: Gerold Holtkamp

Gegen 14 Uhr kommt Jörg an, noch gut gekühlt von der Klimaanlage in seinem Auto. Das ändert sich aber schnell, als er mit dem Aufbau seines Zelts und seiner Ausrüstung beginnt.
Wieder ziehen am Abend Gewitter auf. Aber lediglich ein wenig Regen erreicht unsere Zeltstadt, so dass wir sogar grillen können. Nur leider versperren uns die Wolken den Blick nach oben.

WHAT 2019, Aufnahme: Burkhard Lührmann

Intensives Beobachten von verschiedenen WetterApps setzt ein. Ob das dann dazu führt, dass der Himmel gegen 23 Uhr aufreißt und uns ein völlig klares Sternenzelt präsentiert, ist bis heute nicht geklärt. Uns ist das aber auch gleichgültig. So können wir in dieser zweiten Nacht in Gülpe tatsächlich intensiv unserem Hobby frönen. Neben der Beobachtung mit Instrumenten ist es mal wieder ein echtes Erlebnis, den Sternenhimmel über dem Westhavelland mit bloßem Auge oder einem Fernglas zu erleben. Die i-Tüpfelchen sind schöne Sternschnuppen, eine davon sogar mit einem Schweif. Gegen 2:30 Uhr ist dann aber Schluss.

Mittwoch, 28 August 2019  
Der dritte Tag unter der Sonne. Es wird wieder heiß, bis 33 Grad Celsius. Morgens Frühstücken, dann Sonnen, was auch immer das heißen mag. Gegen Mittag fahren drei von uns zum Hallenbad nach Rathenow zum Schwimmen.

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer

Gegen 17 Uhr ziehen wieder links und rechts von uns Gewitterzellen vorbei, ohne uns zu treffen. Um diese Zeit erreicht auch Thomas G. unseren Beobachtungsplatz. Er hat Glück, bei seinem Aufbau ist die Sonne hinter Wolken verborgen.

Mit Einbruch der Dunkelheit ist es aber wieder klar und bis spät in die Nacht hinein wird beobachtet. Schleierwolken ziehen auf. Um 2 Uhr wird es ruhig in unserer kleinen Zeltstadt. Bei einem Blick aus dem Zelt gegen 4 Uhr morgens stehen Orion und Zwillinge leuchtend klar über dem Osthorizont.

Donnerstag 29 August 2019  
Wie gehabt: Frühstücken, dann Sonne satt aus milchigem Himmel (man möchte fast sagen „zum Glück“), dadurch etwas kühler.

WHAT 2019, Aufnahme: Gerold HoltkampMorgens um neun ist die Welt noch in Ordnung - und nicht so heiß!

Was nachts die Mücken sind, sind tagsüber die Wespen. Sie setzen uns mächtig zu. Einer von uns wird in den Arm gestochen, der stark anschwillt. Am nächsten Tag müssen wir mit ihm sogar zum Arzt fahren. Gegen Nachmittag wächst unsere Astro-Gruppe noch weiter an, wenn auch nicht mehr alle bei uns auf dem Sportplatz zelten. Es kommen an: Werner, Uli, Andreas und Frau, Thomas H.

WHAT 2019, Aufnahme: Burkhard LührmannFachsimpeln

Leider ist der Himmel heute Nacht nicht klar. Es gibt nur wenige Lücken durch die einige Sterne hervorschauen. Also warten wir auf morgen.

Freitag 30. August 2019
Morgens, noch vor dem Frühstück, kommen die nächsten zwei Osnabrücker an: Lukas und Ralf. Nach dem morgendlichen Ritual des Frühstückens, dem sich alle gern unterziehen, fährt ein Teil von uns wieder zum Hallenbad nach Rathenow, andere gehen zum Schwimmen und Abkühlen zur Havel, die gar nicht weit weg von uns fließt. Tagsüber füllt sich der Sportplatz in Gülpe zusehends mit anderen Astronomen, deren Zelten und Ausrüstung, so dass mit Einbruch der Dunkelheit schon reger Betrieb herrscht. Mit der Ankunft von Carsten ist dann unsere Osnabrücker Gruppe vollständig.

Unsere Zeltstadt von außen betrachtet

Unsere Zeltstadt von innen betrachtet

Tatsächlich wird es richtig klar ab 22 Uhr, so dass einige von uns bis 5 Uhr morgens beobachten. Eine tolle Nacht! Die erste Nacht übrigens, in der einige außer einem Hemd auch eine Jacke überziehen, weil es etwas frisch wurde. Oder war es doch nur wegen der Mücken?

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer
Panoramaaufnahme der Milchstraße

Samstag 31. August 2019
Den ganzen Tag über wieder die volle Sonne. 32 Grad Celsius werden wieder geknackt. Das WHAT nimmt Fahrt auf. Auch tagsüber sind schon viele Besucher da; wer sich nach Gülpe auf den Weg macht, der ist eben sehr an Astronomie interessiert und lässt sich nicht von ein wenig Sonne abschrecken. Wir geben bereitwillig Auskunft, insbesondere über unsere verschiedenen Astro-Geräte. Das ist in der Nacht ja etwas schwieriger.  

Es bleibt bis in die Nacht hinein klar. Das WHAT brummt. An fast allen Teleskopen hört man interessierte Besucher fragen und aufmerksame Astronomen erklären.  Ein Wunder, dass bei den eng gestellten Teleskopen in unserer Zeltstadt kein Besucher gegen ein Stativ läuft oder irgendein anderes Unheil passiert. Es war schließlich ziemlich dunkel, ein wesentliches Merkmal des Sternenparks Westhavelland. Das WHAT 2019 ist offensichtlich ein voller Erfolg. Nicht nur, dass die Stellplätze auf dem Sportplatz ausgebucht sind, auch die Anzahl der Besucher scheint auf hohem Niveau zu sein. Das gute Wetter tat sein Übriges.

Impressionen:

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer

WHAT 2019, Aufnahme: Gerold Holtkamp

Gegen 2 Uhr nachts zieht der Himmel zu und alle begeben sich zufrieden in ihre Schlafsäcke bzw. Feder- bzw. Feld-Betten.

Sonntag 1. September 2019
Das WHAT ist zu Ende. Nach unserem letzten Frühstück in der Kreativoase geht es – zum Glück unter Wolken – an das Abbauen unserer Zelte und Geräte. 

Der eine hat mehr, der andere weniger zu verpacken.

WHAT 2019, Aufnahme: Burkhard Lührmann
Der Eine baut ab mit System.

WHAT 2019, Aufnahme: Burkhard Lührmann
Der Andere baut ab mit ..... Das Genie beherrscht das Chaos!

Abbau unserer Zeltstadt

WHAT 2019, Aufnahme: Martin Steinbeißer

Um 20 Uhr sind alle wieder im Osnabrücker Land. Es war wohl eins der heißesten WHAT, aber auch eins der erfolgreichsten und für uns eine erlebnisreiche Woche außerdem.




Auf dem WHAT 2019 mit Teleskopen erstellte Astroaufnahmen

 

Jörg Große-Kracht


Er hat die Aufnahmen des Cirrus-Nebels am 28.08 auf den 29.08 (Zirren und Feuchtigkeit) und in der Nacht vom 30.08 auf den 31.08 erstellt. Die Nächte waren warm, ca. 18-20°C.

Cirrus-Nebel, Aufnahme Jörg Große-Kracht, 28. und 30.8.2019
Cirrus-Nebel NGC6960

15 x 120s             RGB
30 x 90s               Luminanz
Kamera gekühlt auf -15°C
Gain 139 Offset 21
EQ6 Pro
APM 107/700
Riccardi Reducer 0,75
ZWO 1600 MM Pro
Filterwheel mit 36mm Baader Filter
Steuerungssoftware:    INDI auf (Raspberry Pi 3 B+)
Laptop mit KStars/EKOS
Bearbeitungssoftware: PixInsight und Photoshop

 

Thomas Hänel

Er hat alle Bilder mit einem 80/480 Refraktor und astromodifizierter EOS 200D aufgenommen. Die Einzelbilder wurden stets 3 Minuten belichtet bei ISO 1600.

Mondsichelnebel NGC6888, Aufnahme: Thomas Hänel, 30.8.2019Mondsichelnebel (C 27 / NGC 6888)
38 Einzelbilder, also insgesamt 114 Minuten
Nacht 30.8.-31.8.

Elefantenrüsselnebel IC1396, Aufnahme: Thomas Hänel, 30.8.2019Elefantenrüsselnebel (IC 1396)
31 Einzelbilder, also insgesamt 93 Minuten
Nacht 30.8.-31.8.

Irisnebel NGC7023, Aufnahme: Thomas Hänel, 31.8.2019Iris-Nebel (C 4 / NGC 7023)
96 Einzelbilder, also insgesamt 288 Minuten
davon ca. die Hälfte vom WHAT (Nacht 31.8.-1.9.) und die andere vom ITT (Nacht 24.9.-25.9.)


Außerdem hat Thomas Hänel noch einen Zeitraffer aufgenommen (ebenfalls in der zweiten Nacht), mit Sony A6000 & Samyang 12mm Weitwinkelobjektiv, erstellt aus 640 Aufnahmen über ca. 6 Stunden. Die Belichtung wurde geregelt mit der App qDslrDashboard im Bereich 1/4000s bis 15s.




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