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ISS-Transit vor Mond

Bericht von Thomas Hänel, 29.11.2019

Kaum war der Merkurtransit vorbei, standen am nächsten Wochenende schon gleich mehrere in der Region beobachtbare Transite der ISS (International Space Station) vor dem Mond an. Diese sind zwar eigentlich gar nicht so selten, aber doch gilt es einige Hindernisse zu überwinden. Zunächst einmal muss man herausfinden, wann sie stattfinden. Dabei hilft zum Beispiel die Webseite [1] oder die App [2]. Auch Transite der ISS vor der Sonne lassen sich damit finden. Der Streifen, auf dem sie zu erkennen sind, sind nur einige Kilometer breit - die Beobachtungsplanung erinnert damit ein bisschen an die für totale Sonnenfinsternisse.

Damit die ISS vor dem Mond wirklich gut erkennbar ist, sollten noch mehr Bedingungen erfüllt sein: Sie sollte möglichst nicht von der Sonne angestrahlt werden. Der Mond sollte auch nicht zu tief stehen, da sonst die Atmosphäre stört und die ISS während des Transits weiter weg ist und somit kleiner erscheint. Das Wetter muss natürlich auch noch mitspielen!

Am Wochenende vom 15.11. bis 17.11. sollte es nun gleich drei geeignete Transite geben, einer in der Nacht von Freitag auf Samstag und zwei von Samstag auf Sonntag. Während für die erste Nacht sich die Wettervorhersage rasch verschlechterte, sah für die nächste Nacht alles gut aus. Den genauen Beobachtungsort haben wir basierend auf der Vorhersage von [1] ausgewählt - wir wollten auf jeden Fall beide Transite erwischen.

Nicht weit vom Kreuzungspunkt der beiden Schattenlinien haben wir nahe einem Windrad einen guten Platz gefunden - wir, das sind Andreas, Carsten und ich. Teleskope und Teleobjektive wurden aufgebaut -  zeitweise sah es kurz so aus, als ob wir womöglich nicht rechtzeitig fertig werden - letztendlich hat es dann aber doch rechtzeitig geklappt: 5 Minuten vor dem ersten Transit war alles einsatzbereit. Von [1] kannten wir auch genaue Zeitpunkte und Dauer der Transite:



Bei einer Dauer von einer Sekunde muss das Timing schon passen, zumindest wenn man Fotos machen will statt eines Videos, um die maximale Auflösung der Kameras auszuschöpfen. Also haben alle dem Transit mit einem Countdown entgegengefiebert und dann im richtigen Moment abgedrückt, um im Serienmodus Bilder aufzunehmen.
Schnell wurden die Aufnahmen gesichtet - und tatsächlich: alle waren erfolgreich. Jetzt galt es, ca. 90 Minuten zu warten. 90 Minuten in der kalten Winternacht mit Keksen und Kuchen - in der gleichen Zeit haben die Astronauten auf der ISS die Erde einmal umrundet! Im Warmen, aber vermutlich ohne Kuchen -. Während der Wartezeit kam dann auch noch Martin dazu, der den ganzen Tag über in Berlin auf einer Astro Börse war und es deshalb nicht rechtzeitig zum ersten Transit geschafft hatte. Die Wartezeit wurde genutzt für einige Aufnahmen des Beobachtungsortes:

ISS Transit vor Mond, Aufnahme Carsten Debbe, Novemder 2019

ISS Transit vor Mond, Aufnahme Martin Steinbeißer, November 2019

ISS Transit vor Mond, Aufnahme Carsten Debbe, November 2019

Am Ende ging es dann auch beim zweiten Transit wieder ganz schnell und danach wurde zügig abgebaut und heim gefahren - glücklich über die erfolgreiche Beobachtungsnacht; ziemlich viel Aufwand für zwei Ereignisse, die jeweils weniger als zwei Sekunden gedauert haben.

An den nächsten Tagen stand dann die Auswertung der Aufnahmen an.
Andreas hat ein Spiegelteleskop mit 1000mm Brennweite, eine sogenannte Russentonne, verwendet. Die Videos hier:


Thomas hat einen Refraktor (80mm/480mm) und ein Maksutov-Teleskop (127mm/1900mm) verwendet. Die Videos hier:


In Fitswork wurden die Einzelbilder mit der Minimum-Operation gestacked für den Maksutov:

ISS Transit vor Mond, Aufnahme Thomas Hänel, November 2019

Und für den Refraktor (hier in Graustufen, da der Kontrast deutlich besser ist):

ISS Transit vor Mond, Aufnahme Thomas Hänel, November 2019

Der folgende Ausschnitt zeigt die ISS in nativer Auflösung in einem der Einzelbilder mit dem Maksutov:

ISS Transit vor Mond, Aufnahme Thomas Hänel, November 2019

Trotz gleichem Equipment (Teleskop & Kamera) und gleicher Belichtungszeit wie bei den ISS-Aufnahmen in einem vorigen Bericht [3], können deutlich weniger Details erkannt werden. Dies dürfte primär auf schlechteres Seeing zurückzuführen sein - es lohnt sich also, noch weitere Versuche zu unternehmen.

Apropos weitere Versuche: am 18.6.2016 haben einige Mitglieder der Astro-AG bereits von mehreren Standorten aus versucht einen Transit der ISS vor der Sonne aufzunehmen. Dabei ist das folgende Bild entstanden (ebenfalls mit der Russentonne von Andreas):

ISS Transit vor Sonne, Aufnahme Thomas Hänel, 18.6.2016


[1] https://www.transit-finder.com
[2] https://play.google.com/store/apps/details?id=com.ed_morana.iss_transit_prediction_pro
[3] https://www.astro-os.de/166-0-ISS-Fotografie.html




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